Warum wir hier auf der Erde sind

Stellst du diese Frage einem Wissenschaftler, wird er dich mit leeren Händen nachhause schicken und sagen, dass es höchstwahrscheinlich keinen Grund gibt, warum wir hier auf der Erde sind. Ein katholischer, jüdischer oder muslimischer Priester wird antworten, dass es der göttliche Wille ist und dass am Ende der Zeit nur die von Gott Gerichteten und Auserwählten zurückkehren werden, um den Planeten zu bevölkern. Eine spirituelle Tradition des Ostens würde stattdessen entgegnen, dass es um unsere Evolution geht und um unseren Ausstieg aus dem Leid. Doch das Leben ist viel einfacher und außergewöhnlicher als die Vorstellung, die wir von ihm haben – und dieser kurze Artikel verrät, warum.

Beginnen wir damit, dass alle Theorien über den Sinn des Lebens, die von der Gestalt Gottes ausgehen, viele Punkte offen lassen. Zum Beispiel ist nicht klar, was man im Paradies tut, während man darauf wartet, dass die Liebsten dort ankommen (im Gegensatz zur Hölle, über die wir alles wissen). Oder wozu ist es gut, eine unvollkommene Menschheit zu erschaffen, dann einen Teil dieser zu retten und den anderen wieder aufzulösen? Auch in der “evolutionären” These von einer durch die Erleuchtung erreichte Vereinigung mit Gott bleibt einiges unklar: Wir sollen von ihm abstammen und sogar bereits in ihm sein – doch wo geht es dann noch für uns hin, wozu sich dann noch weiterentwickeln? Ein “erfahrener” Eso-Tourist würde antworten: “Der Zweck ist es, das Selbst zu erkennen”; also lebt das Leben, um sich selbst zu erkennen…? Atmen wir einmal tief durch und gehen wir weiter.

Warum also vermehrt sich ein Molekül, dehnt sich das Universum  aus, fließt ein Fluss stromabwärts, singt ein Vogel jeden Morgen oder malt ein Künstler auf seine Leinwand? Versuch einmal, diesem in Dir selbst nachzusinnen. Es ist einfacher, als du denkst: aus Freude, seine eigene Natur auszudrücken.

Ich kann mir vorstellen, dass es schwierig zu akzeptieren ist, dass der Motor allen Lebens die Freude sein soll. Wie oft hat man uns gesagt: “Erste die Arbeit, dann das Vergnügen”? Sicher so viele Male, dass es jetzt offensichtlich erscheint, dass es sich hierbei um ein wertvolles Prinzip für das Leben auf dieser Erde handelt. Doch niemand hat jemals darüber gesprochen, wie die Dinge außerhalb dieser “Weltordnung” aussehen, die wir in uns geschaffen haben, mit all unseren Regeln und der sozialen Moral von Recht und Unrecht unseres Umfelds. Niemand hat jemals von der Schönheit eines Dienstes, dem Vergnügen, das in ihm liegt, und der großen Bedeutung des Vergnügens selbst erzählt, durch das sich alles bewegt.

In der ägyptischen Mythologie existiert eine Geschichte, die von zwei feurigen Liebhabern erzählt: Geb, die Erde, und Nut, der Himmel. Sie waren ursprünglich in einem gewaltigen Wirbelwind des Vergnügens vereint, bis der Gott Ra, dem diese Vereinigung widerspricht, Shu befahl, sie zu teilen und so den Raum zwischen Himmel und Erde zu erschaffen: die Welt, in der wir leben. Nut bildete so das himmlische Gewölbe, unterstützt von Shu, und Geb wurde zu Boden gedrückt und blieb dort. Dieser Mythos ist das Symbol unserer Position in einem Zwischen-Raum, zwischen entgegengesetzten Polen, die sich gegenseitig anziehen, ohne zusammen sein zu können, zwei Gegensätze, die sich dem anderen hingeben möchten und sich doch gleichzeitig ablehnen: Der Geist und die Materie. Und genau hier entstehen unsere Probleme mit der Freude: zu göttlich für den Menschen, zu menschlich für das Göttliche. Die Religionen und Gesellschaften haben diese alsbald verurteilt oder als nichtig betrachtet, um folglich sagen zu können: “Erst die Pflicht, dann, wenn dann noch  Zeit ist….”.

Doch das Vergnügen bleibt der Magnet, der unsere Pole anzieht. Wir können es unterdrücken, doch wir werden uns weiterhin danach sehnen, alles spricht darüber zu uns.

Oft suchen die Menschen das Vergnügen, als wäre es ein Zustand, der “woanders” zu finden ist, d.h. etwas, das jetzt nicht vorhanden ist. In einer ersten Bewusstseinsphase suchen sie es durch die Veränderung der äußeren Bedingungen (ein anderer Job, eine andere Stadt, ein anderer Partner, etc.), während sie es in einer zweiten Phase durch die Veränderung der inneren Bedingungen suchen: “Ich kann so nicht weitermachen. Ich muss etwas tun, um Freude an meinem Leben in dieser Welt zu erlangen. Aber in beiden Fällen gibt es die Vorstellung, dass das Vergnügen wie ein Objekt ist, das man besitzen muss oder ein Ziel, das man mit eigenen Taten verfolgen und erreichen kann. Wenn man stattdessen über die Essenz des Vergnügens nachdenkt, erkennt man den absoluten Charakter in seiner Präsenz. Jedes Mal, wenn wir die Türen dafür offen lassen, überschwemmt er unser ganzes Wesen und löscht alle Überreste unserer Maske und Ordnung. Wenn du da bist, ist es nicht da und wenn es da ist, bist du nicht da, bitte überprüfe dies einmal für dich. Die Handlung, die wir im Vergnügen ausführen, geschieht spontan, und der Gedanke “Ich freue mich so” folgt erst danach. Deshalb kann es das Tor zum Herzen des Lebens werden, du musst nur lernen, die Erfahrungen zu verstehen, die wir als Erfahrungen machen, die die Existenz selbst durch uns macht.

Und je mehr du diesem dann Raum in dir gibst, wirst du entdecken, dass die Freude eine sehr erhebende Kraft hat: sie bringt dich dazu, dich selbst zu vergessen und dich in einem viel größeren Du zu verankern, im Herzen der Existenz, wie dies nichts und niemand besser könnte. Der Körper, der Verstand, das Herz und der Geist werden dies unterschiedlich wahrnehmen und dies anders deuten, aber die Bedeutung selbst bleibt die gleiche: sich auf den Ausdruck deiner eigenen Natur neu auszurichten und die Grenzen aufzulösen, die deine Persönlichkeit von der Unermesslichkeit der Existenz trennen. Aus diesem Grund und aus keinem anderen bist du hier: deinem Körper, deinem Geist, deinem Herz und deinem Geist Freude zu schenken.

Ein großer Meister sagte: “Für alles “Intelligente” hat das Leben uns keine freie Wahl gelassen. Denn wenn du die Möglichkeit hättest, Dich zu entscheiden, wann du atmest, würdest du im Schlaf sterben”. Und so gibt es auch für das Vergnügen Wege, die unabhängig von unserem Verstand laufen, die es speisen und zum Fließen bringen, Urkräfte, die in uns wohnen und sich durch uns ausdrücken wollen: Die Kraft, die Lust und die Freiheit. Die erste ist eine Kraft, die sich der Freude widmet, neue Formen zu schaffen und die Lasten der Vergangenheit zu zerstören, zum Beispiel bei der Explosion eines Sterns oder in der Beharrlichkeit für das Kreieren eines neuen Projekts. Die zweite Kraft stellt die Freude dar, unser “Großes Design” in den Formen wahrzunehmen, die uns in Zukunft erwarten. Du findest es im Drang eines Moleküls, sich zu reproduzieren, um einen Körper zu erschaffen oder in den Träumen, an die du glaubst. Die dritte ist stattdessen die Kraft, die mit Freude aus jedem Gefängnis flieht oder sich nicht mit den Grenzen der bekannten Welt zufrieden gibt. Diese findest du z.B. in den Augen eines Kindes beim Betrachten einer fantastischen Aussicht.

Ein altes Sprichwort lautet:

“Derjenige, der die Arme eines Kriegers, das Herz eines Priesters und die Füße eines Tänzers besitzt, ist ein vollkommenes Wesen.”

Wenn alles vom Vergnügen bewegt wird, gilt das dann auch für Leiden, Pflichten und Bedürfnisse? Für die Freude sind diese Dinge nicht anders, und du kannst es für dich selbst herausfinden, indem du dir die Zuneigung ansiehst, die die Menschheit für ihre Leiden empfindet. Leid schneidet dich ab, zwingt dich, in dich hineinzuschauen, isoliert dich trotz Gesellschaft…. – und wenn du bereit bist, es zuzugeben, bereitet dir dies ein gewisses Maß an Freude.

Wir alle werden erzogen, gebildet zu sein, dürfen weder spontan sein noch das Wunder der Existenz wahrnehmen; wir lernen die Namen von Dingen, Blumen, Bäumen aber nicht, wie wir mit ihnen kommunizieren sollen, im Einklang mit der Existenz. Die Existenz ist ein tiefes Geheimnis, das für diejenigen, die immer nur glauben, analysieren und entscheiden wollen, nicht zugänglich ist. Nur für diejenigen, die bereit sind, mit ihr zu kämpfen, zu begehren, zu tanzen und sich schließlich in sie zu verlieben, wird sie sich erschließen.

Eine kraftvolle, passionierte und freie Umarmung.

Haidehoi David Simurgh

Der Liebe mit offenem Herzen begegnen

Es ist traurig, dass wir über Liebe reden müssen. In unserer Existenz, in der wir aus der Wärme der Liebe geboren wurden, sollte sie jeder von uns kennen, fühlen und berühren, mit ihr atmen. Doch für die Mehrheit der Menschen bleibt in ihrem Inneren die Liebe immer noch ein Geheimnis, das durch Nebel und Schatten verborgen ist. Sie ist ein unbekanntes Phänomen, das dennoch eine starke Anziehungskraft besitzt und uns immer mehr ruft. Andererseits besteht unsere Zeit auch aus Möglichkeiten zur Transformation und dem Auflösen von Distanzen, und Liebe bedeutet genau dieses Auflösen von Distanz. Leider gibt es immer noch so viel dazu zu sagen, und auch in meiner Arbeit geht es darum, diese Schwingung konstant aufrecht zu erhalten, die mit der Öffnung des Herzens, mit der Vision der Schönheit  und mit der Wiederentdeckung der Liebe verbunden ist.

Was meine ich mit dieser Herzen-Öffnung? Die Öffnung des Herzens weist auf einen wichtigen Schritt in der inneren Arbeit hin, in der die losgelöste Beobachtung von Geist, Herz und Körper so stabil und ehrlich ist, dass sie uns stets entspannt sein lässt. Zu Beginn der Arbeit der Wiederentdeckung des Geistes gehen wir auf Distanz zu unserer eigenen Persönlichkeit und beginnen, ihre Mechanismen (Gedanken, Emotionen und Reaktionen…) zu beobachten. Dieser Abstand ist hilfreich, um das Bewusstsein für sich selbst und die richtige Perspektive wiederherzustellen. Wie immer, wenn wir etwas beginnen, bei dem wir uns mehr Raum geben, muss diese Beobachtung eher kühl, hart und entschlossen sein. Danach hingegen beginnt sie sich langsam zu entspannen und wir lernen, wie man sanft über die Wellen im Wasser unserer Persönlichkeit hinweg schweben kann. Hier wird das Herz zum Protagonisten, tatsächlich erhöht sein feinstoffliches Gegenstück, das vierte Chakra, seine Schwingung – und tritt als plötzliches Donnerwetter auf, das sich zu einer breiteren Anteilnahme an der Welt öffnet.

In diesem Schritt lernen wir ein altes Prinzip, das uns bei der Unterstützung dieser Offenheit nützt: Je mehr Schönheit du in der Welt sehen kannst, desto mehr öffnet sich dein Herz – und je mehr sich dieses öffnet, desto größer ist die Schönheit, die du in der Welt sehen kannst. Ein Prinzip, das wir vor allem ins Gegenteil gekehrt kennengelernt haben: Mit jeder Ohrfeige, die uns das Leben bescherte, habe wir uns immer mehr verschlossen, so dass wir immer mehr vergessen haben, die Schönheit zu sehen.

Was ist mit der Vision von Schönheit gemeint? Wir sind es nicht gewohnt Schönheit großzuschreiben. Für uns ist Schönheit das Gegenteil von Hässlichkeit, etwas, dass wir vom Verstand her rechtfertigen können, das unserem Geschmack der Zeit entspricht und uns vorübergehend Freude bereitet. Die Schönheit, die man mit dem Offenen Herzen sehen kann, ist stattdessen die Schwingung der Realität, die alle Dinge umarmt, umgibt und durchdringt. Ein Licht, das dem Schmerz entgegensteht, ihn integriert, versteht und die Dunkelheit des Leidens transformiert.

Wenn Du daher derzeit in einer hässlichen Welt lebst, dann nur, weil Du blind bist – und nicht, weil die Welt wirklich hässlich ist. Wenn du traurig oder in Schwierigkeiten bist, trifft die Welt keine Schuld. Wenn die Augen des Herzens offen sind, sind es nicht die gleichen wie die Augen des Verstandes. Sie sehen nichts Schlechtes, sie empfangen nur Schönheit. Wenn du nur Schönheit siehst, bist du in Kontakt mit der Existenz, aber wenn du etwas anderes als diese siehst, bedeutet dies, dass du im Teufelskreis der Persönlichkeit gefangen bist. Dann versuchst du zu fliehen und nennt diese Flucht pathologisch zum Teil noch “Spiritualität”.

Die Stimme des Herzens ist sehr leise und subtil. Die Stimme des Leidens ist sehr laut: Sie schreit weiter. Das Herz flüstert und du bist nicht in der Lage, es zu hören. Das Leiden schreit und dies hörst du sehr gut. Das liegt daran, dass dein Zustand immer noch mit der Vergangenheit verbunden ist und mit dem, was du in deinen vergangenen Leben gelernt hast. Deine Väter schrien zu dir. Deine Mütter schrien zu dir. Die Lehrer in der Schule schrien. Verstand und Schatten schreien. Das Göttliche hingegen spricht mit leiser Stimme. Sowie sich dein beobachtender Geist entspannt hat und dir die Loslösung von der Vergangenheit gelungen ist, werden alle diese Schreie aufhören.

In der Gesellschaft des Herzens und der Schönheit wird euch eines immer klarer werden: Ihr könnt nichts anderes werden als ihr selbst, und bis ihr ihr selbst werdet, könnt ihr nicht in der Fülle und glücklich sein. Dieses Glück stellt sich nur ein, wenn ein Apfelbaum Äpfel trägt, wenn er blüht, wenn er seine eigene Individualität, seine Form, seinen Duft hat. Wenn du ein Apfelbaum wärst und versuchtest, wie eine Weide zu blühen, wird dir dies in dir nur Leid hervorrufen.

Auf diese Weise wirst du deinen Ursprung annehmen, und wenn du ihn gefunden hast, wirst du eine Erleichterung spüren. Es ist eine langsame Arbeit, aber es ist der einzige Weg. Und wenn du ihn begrüßt, wirst du dich so rein fühlen. Nur dann wirst du in der Lage sein, die Liebe wieder zu finden. Und sobald du dies erkennst, wird dich allein das Dich-wieder-Finden eins machen, plötzlich wirst du eine Richtung haben. Dann wirst du keine Hindernisse mehr sehen und wie ein Pfeil auf dein Schicksal zusteuern.

Sich im Büro zu bewegen, im Bus, im Supermarkt, auf der Ringstraße…. mit geöffnetem Herzen bedeutet Schönheit und Liebe, immer wieder von der wunderbaren Vielfalt der Menschen und Situationen überwältigt zu werden. Du wirst dich geschützt fühlen, in der Wärme, in den Armen der Existenz…. zu Hause. Was für ein wunderbares Gefühl, die Straße entlang zu gehen und sich immer wie zu Hause zu fühlen. Du wirst es spüren.

Du wirst eine große Gelassenheit, eine unbekannte Freude, eine Beobachtungsfähigkeit spüren, die zur Herrin deines Reiches wird, und das wird immer so sein, 24 Stunden am Tag. Alles, was du tust, geht dann von diesem Bewusstsein aus, wird Weisheit, Klarheit, Reinheit, Spontaneität und Gnade enthalten.

So hoffe ich, dass dieser Schritt in dir nicht mehr weit ist. Denn im Endeffekt wirst du sehen, dass dies niemals der Fall ist. Und wenn es für dich und für deine Welt an der Zeit ist und du beginnst, dort hinzukommen, wenn sich deine Beobachtung entspannt, erinnere dich und prüfe selbst: Je mehr Schönheit du in der Welt sehen kannst, desto mehr öffnet sich dein Herz, und desto mehr sich dies öffnet, desto größer ist die Schönheit, die du in der Welt sehen kannst.

Eine herzliche Umarmung,

Haidehoi David Simurgh

Von der Begegnung der Liebe in einer Paarbeziehung

Von Liebe in einer Paarbeziehung zu sprechen ist so ähnlich, wie von Gott in unserem Leben zu sprechen. Jeder kann intuitiv erfassen, worum es sich handelt, aber niemand hat ihn jemals wirklich gesehen. Der folgende Artikel fasst die wichtigsten und häufigsten Fragen und Antworten zusammen, die mir zu diesem zauberhaften und großem Thema zugetragen und mitgeteilt worden sind.

Warum sind wir Alle so sehr auf der Suche nach Liebe?

Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: Weil wir in der Liebe eine außerordentliche Gelegenheit sehen, um aus dem Leiden herauszukommen. Liebe und Erleuchtung sind in diesem Sinn Synonyme – beide werden extrem herbeigesehnt, um dem Leiden zu entfliehen. Die interessanteste Sache, die man dabei beobachten kann, ist jedoch nicht, warum es zu diesem allgemeinen Wunsch kommt, sondern warum sich dieser Wunsch noch nicht erfüllt hat, warum so viele Menschen die Liebe noch nicht gefunden haben.

Um das zu verstehen, ist es notwendig die Liebe als eine Art Welle wahrzunehmen, die spontan aus einem Zustand der völligen innerlichen Realisierung entsteht. Ein Bewusstseinszustand, der von jeglicher Form von Unverständnis, Angst, Schmerz und allgemeiner ausgedrückt, vom Leiden gereinigt ist. Je mehr du also in der Lage bist, in Harmonie mit dem Universum zu atmen, das in dir und mit dir lebt, umso mehr spürst du, wie diese magische Wärme in deiner Brust näher kommt. Um da hinzugelangen, musst du vorher jedoch durch deine Hölle gehen und verwirklicht aus ihr herauskommen.       

Ein wunderschöner Satz von Eish Shaok besagt:

„Wir leiden auf viele verschiedene Weisen, um zu lernen nur auf Eine zu lieben!!!!“

Das ist der Grund, weshalb es uns so schwerfällt, die Liebe zu finden: Weil wir nicht akzeptieren durch die Hölle gehen zu müssen, um sie zu finden. Wir geben nicht zu, Angst vor dem zu haben, was die ehrliche Suche nach ihr mit sich bringt. Somit fahren wir damit fort, im Außen nach ihr Ausschau zu halten und warten darauf, dass der geeignete Moment gekommen ist, um der Liebe zu begegnen. Am besten auf den Armen von jemand getragen und uns, ohne jede Anstrengung unternehmen zu müssen, als Geschenk überreicht.

Kann Liebe in einer Paarbeziehung gefunden werden?

Die Liebe kann nur in uns selbst gefunden werden, aber die Aufgabe des Außen ist es, uns dabei zu helfen, besser zu erkennen, was sich in unserem Inneren befindet. Deshalb können wir auch, dank einer Partnerschaft, den Weg zu ihr finden. Jeder Partner ist in der Lage, durch seine Persönlichkeit, sein Verhalten, seine Worte, seine Nähe und seine Abwesenheit unsere Schwachstelle mit ihrem gesamten belastenden Schmerz in uns hochkommen zu lassen. Deshalb ist es so wichtig Beziehungen zu haben, denn solange nicht jede einzelne Wunde in uns geheilt und transformiert ist, werden alle Formen von Beziehungen freundschaftliche, partnerschaftliche, familiäre oder sexuelle, genau den Punkt treffen müssen, der am meisten schmerzt.

coppia-eish-shaokDeshalb wird uns jeder Partner immer wieder mangelhaft, unvollständig und ungeeignet erscheinen und wir werden genau den Punkt am mangelhaftesten an ihm befinden, der, wenn man ihn näher heranzoomt, uns unsere eigene Schwachstelle aufzeigt. Somit gelangen wir von einem emotionalen Drama ins nächste – bis wir den notwendigen Mut aufbringen und in Abgeschiedenheit unsere eigenen Schatten genauer betrachten.

Wenn du anfängst an deinem Leiden zu arbeiten, wird dir auffallen, dass alle Liebenden, alle Menschen, die unter einem Dach leben in Wirklichkeit alleine sind und dass ein wirklich Liebender dir niemals dieses Alleinsein nehmen wird. Er wird immer einen tiefen Respekt vor ihm und deiner Individualität haben. Er wird nicht übergriffig, er wird die Schwelle dieses Raumes nicht übertreten. Er weiß, dass es eben genau die Beziehung zu dir selbst ist, in der du deine wichtigste Partie spielst.

Nun ist es aber leider so, dass sich der durchschnittliche Partner sehr vor dem Alleinsein und der Unabhängigkeit des Anderen fürchtet. Er hat eine Riesenangst vor ihnen, weil er annimmt, dass wenn sein Partner unabhängig wird, seine eigene Anwesenheit nicht mehr notwendig ist und er verlassen werden würde. Die Menschen geben mehr Energie in ihr Leiden hinein, als in den Mut, sich von ihm zu befreien.

Die Frau versucht alles daran zu setzen, dass ihr Partner sie immer als etwas Wertvolles betrachtet. Er soll sie immer brauchen. Der Mann macht genau das gleiche. Auch er stellt alles Erdenkliche an, um seine eigene Wichtigkeit zu unterstreichen. Das Ergebnis ist der Austausch von Aufmerksamkeiten – nicht von Liebe.

Genau hier entstehen Konflikte und andauernde Streitigkeiten, die auf der Tatsache begründet sind, dass jedes Individuum, die Freiheit benötigt, um in sich selbst abzutauchen! In dem Moment also, wo das Leiden gewinnt, bricht die Beziehung auseinander und wird Tag für Tag mehr vergiftet. Daraus resultiert der Wunsch auszubrechen, die Beziehung zu beenden oder sie nie richtig zu beginnen. „Schatz, lass uns nichts überstürzen, wir sind doch im Grunde erst seit 24 Jahren zusammen – zusammenzuziehen scheint mir ein etwas zu voreiliger Schritt zu sein!“ Sich dem äußeren Problem zu entledigen, führt jedoch nirgendwohin.

Die Suche nach Liebe, auch in einer Paarbeziehung, muss aus dem Alleinsein und der Freiheit heraus entstehen, sich unbefangen in sie hinein zu begeben.

Demzufolge wird all das, was dich von dieser und deiner Freiheit abhält, dich niemals zur Liebe führen.

Liebe und Freiheit sind unzertrennlich. Mach dir bewusst, dass du jedes Mal, wenn dir auffällt, dass sich eine Beziehung gegen deine Freiheit richtet, im Namen der Liebe, etwas anderes erschaffen hast.

Wenn du einen Menschen liebst, lasse nicht zu, dass er sich je ausgeschlossen fühlt, aber hilf ihm, alleine zu sein. Versuche nicht ihn zu füllen, ihn mit deiner Anwesenheit auf irgendeine Weise zu vervollständigen. Hilf dem Anderen dabei alleine zu sein und unterstütze ihn, wenn er seinem Leid begegnet. Wenn du wirklich liebst, wird es dein eigenes Herz sein, das dem Anderen hilft ganz zu werden.

Deine Anwesenheit wird eine vereinigende, therapeutische Kraft sein. In deiner Liebe wird der Andere ein einzigartiges und vollkommenes Wesen und dadurch, dass er dein Beispiel beobachtet, beginnt er zu wachsen. Dein Gefühl muss jedoch rein sein – frei von Leid und bedingungslos. Wenn Liebe Bedingungen stellt, kann das Wachstum nicht vollständig erfolgen – Bedingungen begrenzen sie und stellen sich ihr in den Weg.

Wenn all dies respektiert wird, dann entsteht bei dem Paar eine tiefe Dankbarkeit. Beide werden gegenseitig im Anderen das Wunder des Lebens wahrnehmen. Liebe beginnt zu fließen und verlangt keine Gegenleistung.

Du gibst sie spontan und wirst bemerken, dass sie tausendmal stärker zu dir zurückkommen wird. Wenn sich das Paar hingegen in sein Leiden verschließt, wird sie für immer sehr gering sein. Wenn nur ein Minimum gegeben und gleich darauf eine Gegenleistung erwartet wird, schwindet ihre gesamte Schönheit nach und nach dahin.

Was hältst du von der Ehe?

Die Ehe ist ein Vertrag aus dem beide Partner versuchen den größtmöglichen Gewinn zu erzielen. Natürlich hat der Mann einen gewissen Handlungsmodus – seine Strategie und die Frau hat die ihre. Aber die Situation ist dieselbe. Psychologen betiteln die Ehe heute als intime Feindschaft und in vielen Fällen hat sich genau das bewahrheitet. Zwei Feinde, die zusammen leben und so tun, als ob sie sich gegenseitig unterstützen würden und darauf warten, dass der Andere der Gebende ist und sein Gegenüber erwartet genau dasselbe von ihm. Keiner von beiden möchte geben und keiner bekommt etwas- beide sind Bettler. Wie kannst du etwas geben, das du nicht besitzt?

Incontrare l'amore in un rapporto di coppiaIn der Villa klingelt das Telefon. Der Hausdiener nimmt den Anruf entgegen:

„ Guten Tag.“

„ Hier spricht der Rechtsanwalt, geben Sie mir meine Frau, ich habe es eilig.“

„Im Moment geht das nicht, mein Herr.“

„ Wie, das geht nicht, ist sie nicht zu Hause?“

„Doch, sie ist zu Hause, aber der Ingenieur ist bei ihr. Er ist heute früh angekommen, gleich nachdem Sie das Haus verlassen hatten. Sie hat ihn hereinkommen lassen und sogleich in ihr Zimmer geleitet. Seitdem sind sie nicht mehr herausgekommen.“

„Meine Frau mit dem Ingenieur…Aha…., die kommen mir nicht so einfach davon. Hör mir zu, du weißt doch, wie reich und mächtig ich bin und wie großzügig ich mit Menschen umgehe, die mir helfen und wie rücksichtslos ich mit denen umgehe, die mir widersprechen. Du wirst jetzt meine Pistole holen und die beiden Verräter erschießen. Danach wirst du die Pistole an einem sicheren Ort verstecken und zum Telefon zurückkehren; ich werde solange in der Leitung auf dich warten!“

„Ja, sofort mein Herr.“

Der Rechtsanwalt wartet einige Minuten in der Leitung, dann hört er zwei Schüsse und wenige Minuten später kehrt der Hausdiener zurück ans Telefon.“

„Alles erledigt mein Herr, die beiden werden Sie nicht mehr betrügen.“

„Gut, wo hast du die Pistole versteckt?“

„Die habe ich ins Schwimmbecken geworfen, mein Herr.“

„Ins Schwimmbecken? Welches Schwimmbecken? Entschuldigen Sie, aber welche Nummer habe ich gewählt?“

Die Menschen versuchen zu lieben und ihr Wunsch ist ehrlich gemeint und dennoch sind ihre Beziehungen voller Eifersucht, Wut, Vorwürfe und Anschuldigungen. Sie beschuldigen sich gegenseitig und erinnern den Anderen an seine Fehler, anstatt sich zu helfen und Lücken zu füllen.

Sehr schnell wird die anfängliche Reinheit zerstört. Die Beziehung zerbricht, weil sie sich mit einem unüberwindlichen und unerträglichen Schmerz angefüllt hat. Somit hat die Menschheit jahrhundertelang an die Ehe geglaubt, indem sie aus Angst, das Gesetz zu übertreten, es sich selbst nicht gestattet hat, sie scheitern zu sehen.

Die Familie, der Staat, das Gericht, die Religion, alle werden dich dazu zwingen innerhalb der Institution Ehe zu leben. Und du, der du dachtest, dich durch eine Heirat sicherer zu fühlen, wirst dich bald nur noch als Gefangener fühlen. Die Ehe könnte hingegen ein vollkommen anderes Phänomen sein: Eine Zeremonie der Liebe. Ich bin nicht gegen die Ehe, ich bin gegen Heuchelei und für eine ehrliche Ehe, die sich viel weiter, als nur auf zwei Menschen ausbreitet, auf all diejenigen, die bereit sind nach der Liebe zu suchen und sich Mut machen.

Die schreckliche Form der Ehe, die wir heutzutage haben, ist ein Vertrag mit gegenseitigen Erwartungen – eine gut verkleidete Lüge.

Sie verschafft dir eine soziale Stellung, aber sie macht dich nicht wohlhabender, sie erhebt dich nicht, sie hält dich gefangen. Lerne zu lieben, konzentriere dich darauf. Das ist eine beschwerliche Aufgabe – ein Abtauchen in deine tiefsten Tiefen.

Lieben zu können, ist die raffinierteste Kunst der Existenz.

In welchen Zusammenhang stehen Liebe und Leidenschaft?

Leidenschaft ist eine Eingangstür, aber sie allein kann die Liebe nicht aufrechterhalten. Es bedarf Mitgefühl. Wenn du fähig bist, Mitgefühl für den anderen zu empfinden, ihn dabei zu begleiten seine Grenzen zu überwinden, ihm seine Fehler zu vergeben, wenn du bereit bist, ihn bei seinem Abtauchen zu unterstützen, erst dann kann Liebe in euch aufkeimen. Es kann Jahre dauern oder sogar ein ganzes Leben, aber wie heißt es gleich in einer antiken, orientalischen Geschichte:

„Ich möchte dir heute davon erzählen, dass deine Art zu leben so ähnlich ist, wie von jemand, der mit einem Palast beschenkt wurde, der aber weiterhin nur in der Vorhalle lebt, ohne jemals den Palast zu betreten, weil er denkt, dass die Vorhalle alles ist, was existiert.“ Und doch ist die Vorhalle nur der Eingang des Palastes. Je mehr du in die Tiefe gehst, umso mehr betrittst du deine inneren Gemächer und umso mehr werden dir wundervolle Überraschungen zuteil. Die sexuellen Wünsche stellen nur den Eingang zur Liebe dar. Du kannst weiter gehen, du bist nicht verpflichtet dort zu verweilen. Die Anziehung zweier Körper ist physiologisch und basiert auf der Tatsache, dass sich das Leben und seine Schönheit reproduzieren möchte. Daran ist nichts auszusetzen, genauso wenig gibt es etwas daran auszusetzen, sein Leben in der Vorhalle zu verbringen.

Es wäre dumm dies zu verurteilen. Doch solltest du diesen Punkt überwinden, wenn du dein Zuhause finden möchtest. Halt nicht an, baue dein Haus dort nicht auf, glaube nicht, dass dort das Ende ist. Klar, geh durch die Leidenschaft hindurch, das musst du tun – sie gehört unweigerlich dazu, aber geh durch sie hindurch, um weiter zu gehen, so als ob du die Treppe oder den Fahrstuhl benutzt, um weiter nach oben zu gelangen.

Von wo aus kann ich anfangen der Liebe zu begegnen?

Du solltest sofort damit anfangen und du musst bei dir anfangen. Liebe kann nur in deinem Inneren entstehen, ich werde niemals müde dies zu wiederholen. Heutzutage wird die Selbstliebe mehr als alles andere von der Gesellschaft verurteilt und die Menschen machen sich Sorgen darüber Egoisten zu werden. Aber ein Mensch, der sich liebt, entdeckt mit großer Überraschung, dass sein Ego niemals echt war. Ganz im Gegenteil, das Ego tritt genau dann mit großer Kraft hervor, wenn man versucht die Anderen zu lieben, ohne sich selbst zu lieben. Wer liebt, wird immer spüren, dass er sich im Dienst eines höheren Ziels befindet. Er denkt nicht: „Jetzt muss sich der andere bei mir bedanken und mir etwas Gutes dafür zukommen lassen.“ Im Gegenteil, er denkt: “Meine Liebe ist angenommen worden und nun stehe ich in der Schuld. Ich stehe in der Schuld dieses Menschen, weil er sich meinem Geschenk geöffnet hat, anstatt es wegzuwerfen. Der Mensch, der hingegen verzweifelt im Außen nach Liebe sucht, denkt jedoch: “Ich bin so außerordentlich, so herzlich und so demütig. Sieh nur, wie nützlich ich für die Anderen bin und wie sehr sie sich nach mir sehnen.“

Also, um der Liebe zu begegnen, solltest du sofort und als erstes in dich selbst hinein versinken, dir so viel Zeit, wie du kannst widmen und das Feuer deines Schmerzes überwinden, das Leiden wieder integrieren und den Schmerz in Freude verwandeln. In dem Moment, wo dir das gelingen wird, wirst du von der Liebe und ihrer Präsenz erfüllt sein.

Eine Umarmung

– Ins Deutsche übersetzt von Claudia Dreßelmann –